Deutschkurse für geflüchtete Frauen: Zwischen Engagement und Hilflosigkeit

Wir freuen uns, dass über den Abschluss des Deutschkurses ein Artikel in der OTZ vom 16.12.2016 veröffentlicht wurde:

Gestern ging im Frauenzentrum Towanda der Deutschkurs zu Ende: Im kommenden Jahr soll es eine Fortsetzung geben. Die Nachfrage sei hoch, sagen die Organisatorinnen aus dem Frauenzentrum – wie auch die Belastung der Mitarbeiterinnen. Foto: Jördis Bachmann

Gestern ging im Frauenzentrum Towanda der Deutschkurs zu Ende: Im kommenden Jahr soll es eine Fortsetzung geben. Die Nachfrage sei hoch, sagen die Organisatorinnen aus dem Frauenzentrum – wie auch die Belastung der Mitarbeiterinnen.
Foto: Jördis Bachmann

Im Towanda werden weiterhin Deutschkurse für geflüchtete Frauen angeboten. Die Belastung für die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums ist dadurch allerdings hoch.

Jena. Die geflüchteten Frauen, die sonst kaum Unterstützung erfahren, finden im Frauenzentrum Towanda die dringend nötige Hilfe. Es sind vor allem auch Frauen, die laut internationalem und EU-Recht aus so genannten “sicheren Herkunftsländern” stammen. Doch zwischen der rechtlichen Einstufung und der tatsächlichen Sicherheitslage in den einzelnen Ländern klafft meist eine tiefe Lücke.
Den geflüchteten Menschen aus Afghanistan oder den Balkanstaaten steht kein Integrationskurs zu. “Doch die Menschen sind hier, sie müssen sich hier und jetzt verständigen können, um handlungsfähig zu sein”, sagt die junge Deutsch-Lehrerin Franziska Brünner.
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Christiane Bochröder hat sie in den vergangenen Monaten im Frauenzentrum Towanda etwa 30 geflüchtete Frauen in Deutsch unterrichtet, die sonst “überall durchs Raster gefallen wären”. “Zwar wurden auch an der Volkshochschule in Jena Kurse für Afghanen angeboten, aber die waren schnell voll und es gibt keine Kinderbetreuung, was vor allem für die Frauen ein Problem ist, die keinen Kindergartenplatz haben oder ihre Kinder nicht abgeben wollen, weil sie traumatisiert sind”, sagt Beatrice Osdrowski vom Towanda.

Weiterförderung für 2017 in Aussicht gestellt

 

Im Towanda gibt es eine Kinderbetreuung. Während der Deutschkurse kümmern sich abwechselnd fünf Betreuerinnen um die Kinder. Gestern ging der Kurs, der durch Finanzmittel des paritätischen Gesamtverbandes ermöglicht wurde, zu Ende. Für viele Frauen war der Kurs mehr als nur die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. “Hier ging es oft auch um soziale Unterstützung, nicht nur um Sprachvermittlung”, sagt Franziska Brünner. So war auch eine Sozialberaterin stets vor Ort. “Soweit ich das einschätzen kann, scheinen bei den Frauen tendenziell die Probleme im Vordergrund zu stehen und oft stehen sie auch dem Lernen im Weg. Es kommt mir so vor, als könnten die geflüchteten Männer das Erlebte und die Zukunftsängste besser wegschieben. Doch grundsätzlich wollen die Frauen alle etwas lernen und sind sehr ehrgeizig und motiviert.”

Das Towanda-Team wünscht sich insgesamt etwas mehr Unterstützung – von der Kommune oder dem Land. “Wir haben uns viele zusätzliche Aufgaben aufgeschultert. Das tun wir für die Frauen, die wirklich Unterstützung brauchen. Dennoch ist es sehr schwer für uns, das Ganze finanziell und personell zu stemmen. Es gehört nicht zu unserem Hauptaufgabenfeld. Wir sehen da eigentlich die Stadt und das Land noch mehr in der Verantwortung”, sagt Beatrice Osdrowski.

“Man fühlt sich oft machtlos”

 

Dass der Deutschkurs ab dem 17. Januar fortgeführt werden kann, liegt daran, dass der Paritätische Gesamtverband die Aussicht auf Weiterförderung gestellt hat. So werden auch im kommenden Jahr zweimal wöchentlich Kurse für geflüchteten Frauen angeboten. Neu ist, dass die Towanda-Mitarbeiterinnen zukünftig eine Supervision bei der Beziehungswerkstatt Jena erhalten. “Das ist wirklich wichtig, denn die Arbeit ist emotional sehr aufreibend”, sagt Beatrice Osdrowski. Auch Franziska Brünner sagt: “Wenn man die einzelnen Schicksale der Frauen und Kinder kennenlernt, wenn man weiß, wo sie herkommen und was sie erlebt haben, dann möchte man sofort und jedem helfen, aber man fühlt sich oft machtlos. Das ist schwer auszuhalten.”
Einige der geflüchteten Frauen haben bereits ihren Negativ-Bescheid vom Bundesamt erhalten. Sie müssen höchstwahrscheinlich Deutschland verlassen. “Viele von ihnen werden berechtigterweise noch einen Härtefallantrag stellen. Wenn auch dieser abgelehnt wird, dann werden sie zurück in eine ungewisse und perspektivlose Zukunft geschickt”, sagt Beatrice Osdrowski. Obwohl die Chancen für einige Frauen und ihre Kinder schlecht stehen, in Deutschland bleiben zu können, bemühen sich die Lehrerinnen, ihnen Deutsch beizubringen. “Nur so können sie sich in Deutschland erklären und ihre Lage richtig darstellen. Wer gut integriert ist, hat außerdem bessere Chancen, vielleicht doch bleiben zu können”, sagt Franziska Brünner.

Jördis Bachmann / 16.12.16