Frauen-Lyrik – Frauen-Leben. Drei Lyrikerinnen aus drei Jahrhunderten

In dieser Veranstaltungsreihe stellen Christine Theml und Christa Niedner Lyrikerinnen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert vor.

Termin: Mittwoch, 15.02.2017 | 19:00 Uhr
Eva Strittmatter (1930 – 2011)

Als ihr Mann Erwin sie mit einer jüngeren Frau betrog, brach in ihrem Innern ein Damm und Lyrik fand ihren Weg in die Öffentlichkeit.

Meine Dichtung ist ein Schlüsselin,
Mit dem ich die Welt aufschließe.
Im allersimpelsten Schlüsselsinn:
Ohne meine Verse ließe
Man mich nicht nach überallhin,
Wo ich hingehen wollte.
Es handelt sich um Lebensgewinn,
Den ich mit Leben erzollte.

Nach einem Studium der Germanistik arbeitete Eva Strittmatter im Sekretariat des Schriftstellerverbandes der DDR. Dort lernte sie Erwin Strittmatter kennen und bald waren sie ein Paar. Vom Geld des Nationalpreises für Erwin kauften sie sich Schulzenhof in der Nähe von Rheinsberg.  Hier lebten sie mit 4 Söhnen, einem aus Evas erster Ehe dreien aus der Verbindung mit Erwin. Sie arbeiteten beide schwer. Eva musste das ihr lebensnotwendige Dichten mit der Hausarbeit und Kindererziehung bewältigen. Aus vielen ihrer Gedichte spricht Bitterkeit oder die Kompliziertheit, allen Rollen gerecht zu werden. Sie gehört zu den meistgelesenen Dichterinnen der DDR und BRD.

Termin: Mittwoch, 26.04.2017 | 19:00 Uhr
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Wär ich ein Jäger auf freier Flur,
Ein Stück nur von einem Soldaten,
Wär ich ein Mann doch mindestens nur,
So würde der Himmel mir raten;
Nun muss ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
Und darf nur heimlich lösen mein Haar
Und lassen es flattern im Winde.

Ihr Leben glich nicht einem artigen Kinde. Sie ertrotzte sich ihr Dichten, gehörte am Ende ihres zu kurzen Lebens zu den meistgelesenen Dichterinnen ihrer Zeit. Zwar musste sie auch als erwachsene Frau der Mutter und dem Bruder mit einer großen Kinderschar helfend beiseite stehen, als aber die Schwester nach Meersburg an den Bodensee zog, schuf Annette sich dort ein unabhängigeres Leben. Von ihren zusammengesparten Honoraren leistete sie sich sogar ein Häuschen in Meersburg. Der Tod verhinderte ihr Leben darin. Zu  Levin Schücking, dem Sohn einer Freundin, hatte sie fast ein Liebesverhältnis, obwohl sie viel älter als er war. Als Levin eine junge Frau heiratete, litt sie sehr. Ihre Dichtung ist naturverbunden und gesellschaftskritisch.

Termin: Mittwoch, 24.05.2017 | 19:00 Uhr
Caroline von Günderrode
(1780-1806)

Einer nur und Einer dienen
Das ermüdet meine Seele.
Rosen nur und immer Rosen –
Andere Blumen blühen noch bunter;
Wie die Bienen will ich schwärmen
Mich in Trauben Gluth berauschen,
In der Lilie Weiß mich kühlen,
Ruhen in der Nacht der Büsche.

Sie hatte ein ungestümes Temperament, wäre auch lieber als Mann zur Welt gekommen, um sich ausleben zu können. So musste sie schon als Kind die Geschwister hüten, später sittsam in einem Frauenstift für verarmte Adlige in Frankfurt leben. In ihrer Selbstbildung brachte sie es weit. Sie habe einen männlichen Geist, sagte man ihrer Dichtung nach. Sie liebte zweimal und wurde unglücklich. Die Freundschaft mit Bettina Brentano war für beide beglückend, aber auch die zerstörte ein Mann. So ging sie 1806 in den Freitod, als der verheiratete Prof. Kreutzer sich von ihr, der Intellektuellen, trennte.

Referentinnen: Christine Theml und Christa Niedne
Kosten: 5 € | ermäßigt 3 €
Anmeldung: towanda_jena@web.de